Fanfic: ~ Die Auserwählten ~

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      Fanfic: ~ Die Auserwählten ~

      ~ Zu: Kluft der Legenden ~
      ~ Zu: Die Auserwählten (Riot Forum) ~

      Spoiler anzeigen
      Entschuldigt, dass noch kein neuer Teil zu Kluft der Legenden herausgekommen ist. Es hapert dort momentan an einem fehlenden und wichtigen Zwischensegment. Während ich grübelte, kam ich auf die Story zwischen Leona und Diana. Von dieser Geschichte extrem inspiriert, fuhr ich mit dieser fort und kam entsprechend schnell voran, weshalb die Seiten förmlich herunter gerattert wurden und fand ebenso schnell ihr Finale. Zuerst als Bonus für Kluft der Beschwörer angedacht, dient sie nun als eigenständige Story, jedoch als Zwischennahrung um die Wartezeit zu Kluft der Legenden zu überbrücken. Bitte nicht böse sein. Ich wünsche trotz allem viel Spaß beim Lesen. :) Oh, und danke an @Zaruarc der mir für die Geschichte seinen Namen lieh. Ich hoffe, dich nicht enttäuscht zu haben. So, nun aber wirklich gute Unterhaltung beim Lesen. *g*

      (Der/die folgende/n Text/e orientier(t/)en sich nur lose an der offiziellen Handlung.
      Um einen zweckdienlichen Kanon zu erhalten, wurde möglicherweise das ein oder
      andere verändert, angepasst, vermännlicht, verweiblicht, verzwittert, verfacebooked
      oder anderweitig manipuliert. Entsprechend ist der folgende Text bitte NICHT als
      Orientierung zu betrachten, sondern eher als.. geordnetes, unterhaltsames Gewürfel.
      Das der Lore doch ziemlich nahe kommt...)



      - Bild von Mazgol



      Die Terasse der Solari. Der höchste Turm von ganz Valoran. In seiner ganzen Pracht baut er sich von Mount Targon bis knapp unter den Wolken hinaus. Weißer Marmor mit goldenen, geschlängelten Strahlen die zur Therasse spitz zulaufen und das große runde Dach aus Bronze tragen.
      Der Ausblick ist atemberaubend. Man kann den Nebel der Freljord Berge sehen, die schimmernde Stadt Demacia, die gasigen Austriebe von Noxus, die stille Düne Shurimas und die violetten Zauberschlieren der Voodoo Landen und Icathia dahinter.
      Diana steht inmitten der versammelten Solari und blickt dem anstehenden Sonnenaufgang entgegen. Allesamt tragen sie edelweiße Gewänder mit sündhaft teuren Verzierungen aus Gold und Manschetten aus Tigerauge.
      Wie begierige Sehnsüchter strecken sie ihre Armee von Händen gen Osten. Jedes Mal, wenn die Sonne erwacht, beginnen die zeremoniellen braunen Tattoos gold aufzuleuchten. Ein Moment, bei dem Diana immer die Tränen kommen. Nicht aus Gerührtheit oder Liebe. Das Licht brennt in ihren Augen. Selbst wenn sie sich mit ihren Augenlidern zu schützen versucht.
      Dann spürt Diana diese willkommene und gütige Wärme in ihrem Magen. Die Hitze, die sich über ihren Körper ausbreitet und das Blut zum kochen bringt.
      „So wie die Sonne über der Welt aufgeht, so möge die Sonne der Liebe und Unendlichkeit in meiner Seele aufgehen“, rezitiert Diana im Chor der Solari. „So wie die Sonne über der Welt aufgeht, so möge die Sonne der Sanftmut, der Güte, der Freude, des Glücks und der Reinheit in meinem Herzen aufgehen.“
      Die ersten Sonnenstrahlen ziehen über das Land. Sie breiten sich über das Land aus bis sie es vollständig mit ihrer Heiligkeit eingenommen haben.

      Schriften zufolge wurden die Solari zur gleichen Zeit wie die Sonne geschaffen. Anfangs gab es nur Dunkelheit. Schwarze Kreaturen machten sich die Finsternis zunutze und brachten Chaos auf die Welt. Ihre Augenlider waren leer und ihre Seelen blickten in das Nichts. Verschlungen von der Leere in der die abscheulichsten Monster geboren werden.
      Eines Tages, brachte die Leere eine mutierte Gestalt hervor. Sie war anders als alles, was zuvor gewesen war. Sie war nicht mit Stacheln, Klauen, Klingen oder Geschwindigkeit beschenkt worden. Ihr wurde eine viel mächtigere Waffe geschenkt. Eine Waffe, die das Feuer mit sich brachte. Dieses Wunder brachte auch das Licht mit sich. Denn jene, die schwach waren, folgten dem Feuer der Kreatur. Die Kinder der Dunkelheit fürchteten sich vor der Helligkeit. Sie verabscheuten die Wärme, das Geräusch von knisternden Flammen und den unerträglichen Schmerz des Lichts, wenn es sich durch die ungeschützten Augenhöhlen brannte. Die Kreatur machte sich diese Schwäche zunutze und sammelte jene, die sich nicht schützen konnten. Doch sie verstand, dass eine Schwäche auch immer eine Stärke hervorbrachte. Und so lernte sie von jenen, die es zu schützen versuchte und brachte ihnen im Gegenzug die Lehre des Feuers bei. Sie bezeichneten sich fortan als Adepten des Lichts. Womöglich die erste Variante der Solari.
      Die ungewollte Armee der Kreatur wurde größer und größer. Durch den neuen Umstand innerhalb der Leere selektierte das Naturgesetz einen Großteil der Schattenkreaturen zum Aussterben. Nur einige übriggebliebene Individuen vermochten in ihrer neuen Umgebung zu überleben. Das Licht vermochte sie nicht in ihrer Gänze zu zerstören, sondern ihnen lediglich massiv zu schaden. Diese neue Generation von Schattengeborenen unterlagen ihren Aggressionen und überfielen die Siedlungen des Lichts, verwüsteten die Unterstände und zerfleischten die Ungelehrten. Die Adepten der Feuerkreatur schworen bitterliche Vergeltung, doch ihre angebetete Beschützerin weigerte sich. Zu viele sind gestorben, zu wenige haben das Überleben gelernt.
      Die Angriffe mehrten sich und die Adepten verweigerten sich jeglicher Geduld. Sie forderten die Kreatur auf, sich ihnen anzuschließen. Doch die Kreatur lächelte ob dieser Anmaßung und bot ihnen einen Handel. Sie brachte das Leben und wolle ebenso überleben, wie jeder andere auch. Sie würde bleiben, wenn man sich der Lehre des Überlebens fügt. Oder sie würde fortgehen und hinterlässt den Adepten ihre erlangten Zauber. Für die Beschützten klang es wie eine zornige Erpressung, doch die Kreatur sprach mit geduldigen und pflichtgeschwängerten Worten.
      Die Adepten sahen jedoch nichts als Verrat und in ihrer Furcht mobilisierten sie ihre Kräfte um die Kreatur anzugreifen. Das gemeinsame Wirken des Zaubers pulverisierte die Kreatur und schoss die glühenden Sterne hoch in den rabenschwarzen Himmel.
      In ihrer wahrhaftigen Mächtigkeit zerdrückte die Leere die Reste der Kreatur und fügte sie durch ihre Gier nach Platz wieder zusammen. Doch jene Partikel waren nicht stark genug, um eine leuchtende Lebensform einzunehmen. So erfüllte die zu einem mächtigen Stein geformte Kreatur ihr Schicksal, kanalisierte ihre restliche Macht zu einer endgültigen Flamme und brennt seit jeher als Sonne bezeichnet am Horizont und erhellt die Dunkelheit für jene, dessen Vorfahren es verlernt haben.

      „Und so wie diese leuchtende, strahlende Sonne über der Welt aufgeht, so möge die Sonne der Gesundheit, der Vitalität und der Lebenskraft in meinem ganzen Körper aufgehen. So sei es! Zum Ruhme der Sonne!“
      „Zum Ruhme der Sonne“, stimmt Diana lautstark mit ein und öffnet vorsichtig die Augen.
      Langsam sinken die Hände der Solari und eine Schweigeminute folgt, in Gedenken und Mitleid an jene, die der Sonne nicht folgen und von Dunkelheit verzehrt werden.

      Diana erinnert sich an ein Dorf, nordöstlich des Targons, in welchem aggressive Wölfe mit giftigem Speichel die halbe Einwohnerschaft gerissen und die andere Hälfte vergiftet hatten.
      Sie suchte mit ihren Jüngern dieses Dorf auf und versuchte so viele Menschen zu retten, wie es ihr nur möglich war. Doch die kränklichen Männer und Frauen husteten lediglich spöttisch als habe man einen schlechten Witz gemacht.
      „Auf das Licht vertrauen?“, blaffte eine Frau, der man vor Jahren ein Bein abgenommen hatte. „Wo ist die Sonne in den Kriegen gewesen? Warum gibt mir die Sonne meinen Sohn nicht wieder?“
      Diana hielt es für anmaßend, darauf hinzuweisen, dass man zuerst an die Macht des Lichts glauben muss, um von ihr Hilfe zu bekommen. So blieb ihr nichts anderes übrig als Erste Hilfe zu leisten. Doch für viele war es bereits zu spät. Heute ist das Dorf von der Düsternis Noxus' verschlungen und seine Felder nicht mehr zu bewirtschaften.

      Die Solari knien sich nun nieder um der Sonne zu huldigen. Ebenfalls eine tägliche Pflicht um jenen Geschenken des Lichts zu danken.
      Diana dankt der Sonne für die vielen unterschiedlichen Pflanzen in ihren reinsten Schönheiten. Für das Licht, die Zauber der Natur sehen und bewundern zu können. Für das Feuer – nicht jedoch als Waffe. Sondern als Utensil. Ein Utensil zum Kochen und Herstellen von Medika und delikaten Mahlzeiten. Sie dankt der Sonne für das Aufkommen der Farben und dem Anblick der Tiere. Der Gedanke bringt sie immer wieder zum Lächeln.
      Manchmal unterbricht sie ihre Gebete und schaut sich flüchtig um. Sie fragt sich, wofür die anderen der Sonne danken. Die meissten Solari haben, soweit sie weiß, nur selten den Turm verlassen oder die Zivilisationen besucht. Ein Großteil sind Gelehrte mit magischen Fähigkeiten. Der andere und viel kleinere Teil ist die Walkürenstaffel. Soldatenähnliche Missionare. Sie stehen im Turm Wache, üben mit den Rakkor des Berges oder dienen als militärisch geübte Gesandte der Solari.
      Diana selbst gehört den Walküren an. Sie wünschte sich einst Gelehrte zu werden, doch die Sonne schenkte ihr keine ihrer Gaben. Ihre Tattoos leuchten nicht beim Aufgang der Sonne. Auch vermag sie nicht die Sonnenstrahlen auf einen Punkt zu bündeln oder gar Profit aus der Wärme in ihrem Körper zu ziehen.
      Es war sehr schwierig von den Solari respektiert zu werden und wenn sie genauer darüber nachdenkt, wird sie aufgrund ihrer mangelnden Gaben noch immer nicht ernst genommen. Eine harte Ausbildung liegt hinter ihr. Viele Prüfungen, die sie als bestanden ansieht, werden von den Ältesten angezweifelt, fehlinterpretiert oder heruntergespielt. Ob jemand je auf den Gedanken kam, der Sonne zu danken, dass Diana und die anderen weniger Beschenkten existieren?

      Die Menge löst sich nun langsam auf. Dichtgedrängt kehren die Solari in den Turm zurück um weiter zu studieren oder auf den Promenadenplattformen zu meditieren. Diana kniet noch immer als jemand an sie herantritt und ungefragt seine Hand auf ihre Schulter legt.
      „Walküre Diana.“
      Meister Zaruarc. Der Einzige unter den Ältesten, der Diana stets zu unterstützen und zu verteidigen versuchte. Immer wieder tritt er an sie heran, wenn er eine Aufgabe hat, die er nicht persönlich erledigen kann. Dies sind perfekte Gelegenheiten und die einzige Möglichkeit, die Gunst der Ältesten zu gewinnen. Diana muss sich gestehen, dass Meister Zaruarc sie stets mit solchen Gelegenheiten überhäuft hat. Doch nie schaffte sie es, die Aufgaben so zu erledigen, wie sie gewünscht waren. Obwohl sie sich strikt an jede noch so kleine Anweisung hielt.
      Diana übersieht die respektlose Unterbrechung ihrer Dankesmeditation. Denn im Grunde meditierte sie jetzt nicht. Meister Zaruarc ist nicht blind. Die Tattoos der Solari pulsieren, wenn sie mit der Sonne verbunden sind. Sie steht auf und wendet sich ihm zu.
      Zaruarc ist ein älterer Mann, vielleicht Mitte 50 und mit einer schwarzhaarigen Halbglatze. Durch seine Spezialisierung auf Großschilde hat er jedoch eine entsprechende Muskulatur und wäre der Haarverfall nicht, hätte er problemlos als nicht älter als 30 durchgehen können.
      „Meister Zaruarc“, begrüßt Diana ihn mit knapp geneigtem Haupt.
      „Ich bat Euch um eine Feuerrose. Ein jenes Meisterstück der Natur, welches nur an den hellsten Orten dieser Welt zu finden ist.“ Ihr Meister hält einen Moment inne. „Eure Pflanze ist vertrocknet.“
      Natürlich. Welch Ironie, denkt sich Diana und presst die Zähne zusammen.
      „Ich schnitt sie mit Eurer Sichel und trug sie in Eurem Umschlag auf kürzestem Weg hierher“, sagt Diana stattdessen.
      „So sehr ich Euch zu glauben versuche, Diana~“
      „Ich schnitt sie mit Eurer Sichel! Trug sie in Eurem Umschlag!“, unterbricht sie ihn betonend.
      Der Meister mahnt sie strengen Blickes und brennt ihr ihre eigene Entschuldigung in die Seele.
      „Zu Eurem Glück galt es nicht als dringende Angelegenheit. Doch dieses Mal werdet Ihr mich nicht enttäuschen“, sein gesunkener Kopf bringt die Sonnenstrahlen auf seiner Kopfhaut zur Reflexion. „Ihr habt drei Tage!“
      Ohne eine Antwort abzuwarten kehrt er ihr den Rücken und kehrt in die Eingeweiden des Turmes zurück. Diana ballt die Hände zur Faust und beisst so hart die Zähne zusammen, dass ein Stück ihres Eckzahns bricht. Tief atmet sie ein und macht sich auf den Weg.

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      von Conshinn


      „Du machst das nicht richtig!“
      Ein heftiger Schlag klatscht in einen Nacken.
      „Wie oft muss ich es dir noch zeigen?!“
      Pantheon ist förmlich am Ende seiner Ideen. Er kann nicht behaupten, dass Leona sich nicht anstrengt, doch am Speer ist sie mehr als nur eine Niete. Sie ist nutzlos, unbrauchbar und ihr Umgang beschmutzt seinen Ruf als Erster Krieger der Rakkor. Doch diese Frau besitzt irgendetwas Besonderes. Etwas, das er sich nicht erklären kann. Und je mehr er mit ihr zu tun hat, desto mehr frustriert ihn die Tatsache, dass weder ihr Gesagtes, noch ihr Tun Aufklärung bringt.
      „Der nächste Stich soll Knochenmark durchdringen!“
      „Hja!“, ruft Leona aus und sticht mit einer Hand ihren Speer nach vorne. Um zusätzliche Wucht hineinzulegen, lässt sie ihre Rückenmuskeln die Waffe führen, während der Arm die Kraft und der Schritt nach vorn die Geschwindigkeit vorgibt.
      „Schon besser.“
      Das Wetter auf Mount Targon ist von Kälte durchzogen. Selbst jetzt, wo die Sonne über dem Land schwebt, kann sie den Schnee trotzdem nicht zum Schmelzen bringen. Pantheon liebt diese Ironie. Man soll meinen, umso höher man einen Berg hinaufsteigt, desto wärmer müsste es sein, da man näher an der Sonne ist. Aber in solchen Momenten verhöhnt sie einen nur und versteckt sich hinter Wolken und Schnee damit sie einen nicht fluchen sieht. Den Rakkor ist dieses Wetter nur genehm. Durch ihre traditionelle Rüstung, die Oberschenkel und Arme fast ungeschützt lässt, müssen sie ständig in Bewegung bleiben um ihren Körper zu wärmen. Und die beste Bewegung ist immerhin das eigene Training.
      Leona wiederholt den Stich. Und noch einmal. Wieder und wieder. Pantheon bemerkt, dass sie mit jedem Versuch um ein Quäntchen präziser und kräftiger wird. Doch lange nicht genug um ihn beeindrucken zu können. Es liegt noch ein sehr weiter Weg vor ihr.
      „Hör auf mit dem Elend“, mockiert er sich genervt, „Jetzt tanze.“
      Leona blickt ihn einen Moment perplex an. Dann nickt sie und wirbelt den Speer unter ihre Achsel, schlägt ihr Rundschild nach vorn, nutzt die plötzliche Bremsung des Schilds um die Wucht einzusaugen und in eine elegante Drehung umzuwandeln der mit einem Schlag des Speers gegen die Beine des imaginären Gegners beendet wird. Die nächste Sequenz schließt sich nahtlos an. Der Stopp, der den Treffer signalisiert und somit als Fundament für einen neuen Schwungaufbau dient, wird erneut in eine Drehung verwandelt. Mit dem Fuß tritt sie nach dem Kopf ihrer Illusion und sticht mit dem Speer in den Bauch.
      Das ruft Pantheon auf den Plan. Mit einer Hand greift er nach ihrem Speer, mit der anderen verpasst er ihr eine klatschende Ohrfeige die sie zu Boden wirft.
      „Du bist eine reine Enttäuschung“, knurrt er mit abfälligen Blick zu ihr hinab. „Willst du kämpfen oder deinen Feind verführen?“
      „Ich habe doch nur~“
      „Schweig, Närrin!“, unterbricht er sie und wirft den Speer neben sie.
      Pantheon streckt herausfordernd die Arme auseinander und widmet sich nun den Schülern, die einen großzügigen Kreis um die beiden gebildet haben. Etwas, das beide nur zu gerne ausgeblendet hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt. Der Zeitpunkt, der mehr schmerzt als alles andere.
      „Ihr alle seid in meinen Augen nichts als Kinder! Säuglinge die den Speer wie einen Stock und einen Streitkolben wie eine Rassel schwingen! Euer Schild ist eure Rüstung und was ihr tragt ist nur eine Personifizierung von dem, was ihr sein könntet! Alles was euer Körper gedenkt zu tun, ist nichts anderes als das Erzählen einer Geschichte. Und Eure Augen interpretieren diese. In jeder Geschichte gibt es einen roten Faden, der sich von Anfang bis zum Ende zieht und das Hauptelement einer jeden Sage ist. Wenn ihr das alles kombiniert und zu beherrschen lernt, seid ihr eine Waffe die jedem Feind zu trotzen weiß!“
      Leona kämpft sich auf die Beine und wischt das Blut an ihrer Unterlippe mit dem kalten metallenen Armschutz weg. Als sie sich unter ihre Brüder und Schwestern reihen will, spürt sie den strafenden Finger von Pantheon der auf sie zeigt.
      „Mit welcher Tat wurdest du zum Verfall deiner Stabilität verurteilt, Jüngling?“
      „Ich.. ich weiß nicht“, stottert Leona.
      Pantheon verzieht keine Miene und winkt sie halbherzig herbei. Zögerlich tritt Leona näher. Plötzlich holt ihr Ausbilder aus und verpasst ihr einen Faustschlag ins Gesicht. Die braunhaarige Schönheit stolpert zwei Schritte zurück und landet erneut im Schnee.
      „Mit welcher Tat hast du deinen Untergang besiegelt, du Wurm??“ Zorn und Abscheu trieft in den Worten Pantheons die genau das sähen, was gepflegt werden muss.
      „Ich weiß es nicht!“, brüllt Leona und will wieder aufstehen.
      Pantheon jedoch marschiert angriffslustig auf sie zu. Ehrfürchtig kriecht Leona auf Abstand bis sie an den Schilden der Schüler angekommen ist und nicht mehr weiter kann. Pantheon hebt seinen Fuß, doch Leona hechtet in letzter Sekunde beiseite. Panisch sucht Leona das Weite, bleibt jedoch innerhalb des Kreises. Die Schüler lassen sie nicht hindurch.
      „Ich werde jeden deiner Knochen brechen, wenn du mir keine gescheite Antwort gibst!“
      „Ich.. ich weiß es doch nicht!“, fast schon winselnd bettelt Leona um Gnade, wissend, dass Pantheon nicht davor Halt macht seine eigenen Schüler zu Tode zu prügeln.
      Nun packt er sie, schlägt ihr die Faust ins Gesicht, danach den Ellbogen in einer flüssigen Sequenz ehe er sie kraftvoll gegen die Schultern stößt. Er sieht den Zorn in ihr wachsen und auch, dass sie mehrere Schritte zurück stolpert. Doch diesmal stürzt sie nicht.
      „Ein Duell“, kündigt Pantheon beiläufig an während er sich das Blut von den Handknöcheln wischt. „Wer erklärt sich bereit?“
      Schweigen. Leona taumelt und stützt sich letztlich auf ihr Schild um auf den Beinen zu bleiben.
      „Keiner? Denkt Ihr, der Tod respektiert Euer Mitgefühl?“ Pantheon spuckt auf den Boden und zeigt auf den stärksten und wohltrainiertesten Schüler den er erspähen konnte. „Du!“
      Ein blonder Mann, vielleicht Anfang 20, tritt hervor. Sein Körper ist von ausgeprägten Muskeln durchzogen. Das Gesicht ist von Prügeleien gekennzeichnet.
      „Mach sie fertig oder ich erledige dich“, warnt Pantheon mit unversöhnlicher Miene und tritt abseits um den Kontrahenten Platz zu machen.
      Leona kann kaum stehen. Das Blut läuft in Tränen aus ihren Mundwinkeln, die Wange ist leicht geschwollen und ihre Waffenhand zittert als sie den Speer aufhebt.
      „Du kannst sie töten, wenn du willst“, wirft Pantheon mit lässigem Handwink ein.
      Der blonde Mann nickt zögerlich, dann geht er in Angriffsstellung über. Leona bekommt gerade noch so einen Verteidigungswall hin. Im Gegensatz zu ihr, liegt seine Trainingsstunde über 3 Stunden zurück, wodurch seine Muskeln weitaus entspannter sind. Er ist stärker und größer, ausgeruht und von Pantheon erwählt. Leona ist erschöpft, verwundet und schwach. Allerdings ist ihr Körper vollgepumpt mit Adrenalin. Zumindest kommt es Pantheon so vor, sonst hätte sie ihm nach dem Schlag nicht so flink ausweichen oder gar auf den Beinen bleiben können.
      Plötzlich sticht der Mann mit dem Speer zu. Leona verwendet ihr Schild um den Angriff abzuleiten. Pantheon seufzt leise, ob beider Beweise an kämpferischer Lächerlichkeit. Leona schlägt dem Mann die Stirn ins Gesicht. Sie wird belohnt mit dem Geräusch von gebrochenem Knorpel und einem schmerzvollen Aufächzen. Die Strafe ist ein wütender Mann, der nun sämtliche Vorteile für sich verpachten kann. Die anfängliche Rücksicht und das Mitleid sind geronnen.
      Vom Zorn überzogen greift er Leona wie ein wildgewordener Berserker an. Seine Stiche wirken willkürlich und wahllos, dafür jedoch umso kräftiger und präziser auf Kosten seiner Verteidigung. Leona schlägt mit ihrem Schild nach der Spitze der Waffe, weicht nach links aus, nach rechts, wieder links. Die Länge des Speers in ihrer Hand behindert sie, macht sie langsam und träge. Entgegen der Erwartung eines Rakkor lässt sie ihn fallen und konzentriert sich nur noch auf ihr Überleben. Die Zeit scheint langsamer zu werden. Das Schild nimmt an Gewicht zu. Die Sicht färbt sich rot.
      Schweratmend steht ihr Gegner vor ihr, unwissend wie er ihre Verteidigung durchbrechen könnte. Schlägt er nach ihren Füßen, hämmert sie das Schild zu Boden. Sticht er nach ihrem Körper, wendet sie den Angriff ab. Versucht er sie durch seine Größe von oben anzugreifen, stürmt Leona nach vorne, hämmert ihre Schulter in seinen Magen und schmeisst ihn zu Boden. Erde wirbelt auf. Der Mann versucht sie zu erstechen, doch der Speer ist zu lang um einen geeigneten Winkel zu erwischen. Stattdessen verpasst Leona ihm einen Faustschlag ins Gesicht um ihn für seine Fahrlässigkeit zu bestrafen. Ein weiterer Schlag um ihn zu besiegen.
      Der Kreis von Schülern schweigt. Eine unangenehme Stille baut sich auf als Leona von ihrem Gegner ablässt und Pantheon anstarrt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Mad Musical“ ()

      So, hab vor ner gefühlten ewigkeit das Ganze gelesen (vor 1 1/2 h) und komm jetzt endlich dazu ein Kommentar zu hinterlassen ^^
      Also, viel zu schreiben hab ich eigentlich gar nicht. Die Geschichte gefällt mir ziemlich gut und...ja... der Schreibstil auch...ähm __________ <- hier bitte ein weiteres Kompliment zur Story einfügen ^^
      Naja das wars dann auch schon :P


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „allweneedisPANIC“ ()

      Mal wieder gut geschrieben, allerdings sind mir zwei Fehler aufgefallen:
      1.

      Mad Musical schrieb:

      Diana steht inmitten der versammelten Solari und blickt dem anstehenden Sonnenaufgang entgegen. Allesamt tragen sie edelweiße Gewänder mit sündhaft teuren Verzierungen aus Gold und Manschetten aus Tigeraugen.

      müsste glaube ich Tigerauge heißen, sofern du den Edelstein meintest.
      2.

      Mad Musical schrieb:

      Die Länge des Speers in ihrer Hand behindert sie, macht sie langsam und träge. Entgegen der Erwartung eines Rakkor lässt sie sie fallen und konzentriert sich nur noch auf ihr Überleben.

      Müsste glaube ich "ihn" heißen, da es ja um den SPeer geht und nicht um die Länge desselbigen (diese kann sie ja schlecht fallen lassen :D)
      FAQ bzw. nützliche Threads
      Falls noch Fragen offen sind, einfach an mich wenden.

      Es gibt keine blöden Fragen,
      Nur blöde Antworten.


      Schwer ist die graue Solari Rüstung auf Dianas Schultern als sie durch den Aschepfad von Mount Targon marschiert. Diese Metallrüstung gleicht mehr einer Bürde, einem unnötigen Ballast um sich einem höheren Ideal zu verschreiben. Dabei vernichtet sie jedes von Dianas Stärken. Ihre Schnelligkeit, ihre Athletik und die Fähigkeit zu schleichen. Alles Talente, die nicht sonderlich vorteilhaft sind, wenn sie ein Kind der Sonne sein will. Ein Ziel, an das ihre graue Rüstung erinnern soll. Noch ist sie ein Kind der Dunkelheit, das nach dem Licht giert. Doch schon bald würde sie eine Solari sein und der Sonne ihre Fragen stellen können.
      Meister Zaruarc gab ihr eine verschließbare Flasche aus Ton, die am Hals mit einem Seil verbunden ist und fröhlich an ihrem Bündel umher pendelt.
      Die Kälte des Schnee's ist kaum auszuhalten. Ihre Füße brennen vor Taubheit, ihr Oberkörper zittert und der Schweiß bedeckt fröstelnd ihr gerötetes Gesicht.
      Sie ist erst seit einem halben Tag unterwegs und schon verführen ihre Gedanken sie zur Rast und einem warmen Lagerfeuer. Ohne die Macht der Sonne jedoch, wird dies ein fast unmögliches Vorhaben.
      Die Nacht bricht langsam über sie hinein. Sie hält für einen Moment inne und bewundert die Schönheit der Sterne und das Leuchten des aufkommenden Mondes. Sie fragt sich, ob die geopferte Kreatur, die letztendlich durch den Verrat ihrer Schutzbefohlenen zur Sonne wurde, möglicherweise auch zum Mond geworden sein könnte. Beide leuchten hell und spenden Licht, schaffen Leben und wärmen auf ihre eigene Art.
      „Hey!“, ruft eine Stimme.
      Diana blickt sich um und bemerkt einen Späher der Rakkor.
      „Habt Ihr Euch verlaufen?“
      „Ich befinde mich auf einer Mission. Ich hege keinerlei bösen Absichten gegen irgendjemanden“, erklärt Diana während sie auf ihn zu marschiert.
      Jeder Schritt ist wie das Laufen auf abgeschnittenen Stumpen, als besäße sie keine Füße sondern stelzte auf blanken Knochen ihres Schienbeines umher.
      „Geht es Euch gut?“, will der Späher wissen und leuchtet mit seiner Fackel ihr entgegen um auf die beschneihten Steine aufmerksam zu machen die zwischen ihnen liegen.
      „Es ist kälter als ich angenommen hatte“, gibt Diana widerwillig zu und bemerkt, dass er sie nicht als Solari erkannt haben muss. Wen wundert es, bei der grässlichen und ungepflegten Rüstung die sie trägt?
      „Gastiert für den Abend in unserem Lager. Wir haben Wein, Feuer und gebratenes Fleisch. Wenn wir Glück haben, ist sogar noch etwas Suppe übrig.“
      Der Mann reicht ihr die Hand damit sie mühelos den kleinen Vorsprung zwischen ihnen überwinden kann. Diana nickt dankend und folgt ihm.
      Das Aussenlager der Rakkor erinnert sie an die Schriften der Solari. Verirrte Kreaturen der Nacht, die das Feuer lernten und sich daran gütlich tun, solange es noch brennt. Die Krieger haben Zelte und ein Lagerfeuer aufgeschlagen. Sie trinken und speisen, singen in dunklen Oktaven über ehrenhafte blutige Kämpfe und den Wunsch nach einem Tod, an den sich alle Rakkor erinnern werden. Diana setzt sich nahe an das Feuer und zieht die Beine eng an ihre Rüstung.
      „Was sucht Ihr in dieser Gegend?“, fragt eine braunhaarige Kriegerin und reicht Diana einen Stock mit gewärmten Pökelfleisch.
      „Ich wurde entstandt um eine bestimmte Pflanze zu finden“, dankbar nimmt die Solari an und tut sich hungrig an dem Fleisch gütlich. Selten gibt es in ihrem Orden etwas anderes zu essen als Gemüse und Obst.
      „Ihr wurdet entsandt?“, fragt das Mädchen in Kampfrüstung und setzt sich neben den Gast. „Scheint mir, als hätte Euch jemand reingelegt. Wir leben in diesen Bergen und kennen jede Schneeflocke wie ein Familienmitglied. Nur wenige Pflanzen machen sich die Mühe hier zu wachsen.“
      Diana schweigt und zerkaut das Fleisch genüsslich in einzelne Fasern.
      „Selbst die Pilze haben sämtliche Blüten aus den Höhlen vertrieben. Ich fürchte, Euer Weg war umsonst, Herrin...?“
      „Diana. Einfach nur Diana“, lächelt sie unangenehm geschmeichelt. Herrin. Von diesem Titel ist sie meilenweit entfernt.
      „Einige von uns werden morgen früh zu unserem Stamm zurückkehren. Von dort aus kann Euch eine Patrouille zurück ins Tal führen, wenn Ihr das wünscht.“ Auch die junge Kriegerin lächelt.
      Ihre Augen leuchten gelblich auf als sie ins Feuer blickt. Sie kann es wohl kaum erwarten zurückzukehren. Diana murmelt ihre Zustimmung und kaut nachdenklich an dem nächsten Stück. Sie hat ehrlich gesagt nicht die leiseste Ahnung, wo sie eine Feuerblüte finden soll. Vorallem, wenn das Volk des Berges einem nahezu versichert, dass die Chance schwindend gering sind. Es sei denn, sie wollen die Feuerblüten vor Fremden schützen. Die Rakkor und Solari kooperieren schon seit vielen Jahrzehnten miteinander. Sei es um Nahrung, Medika oder Rekruten. Die Solari haben viele Rakkor unter ihrem Banner ausgebildet und andersherum ist es genauso gewesen. Fast wäre Diana selbst an die Rakkor abgegeben worden, hätte Meister Zaruarc sie nicht in Schutz genommen.
      „Woher kommt Ihr, Diana?“, will die junge Frau wissen.
      „Von hier aus südöstlich.“
      „Ah. Dann seid Ihr sicher am Turm der Solari vorbeigekommen.“
      „Ja.“ Diana will das Thema beenden und sich aus der Konversation zurückziehen. Zu unangenehm ist ihr das eigene Versteckspiel und die vertane Chance, sich als Solari zu offenbaren. Die Rakkor würden Dianas Minderwertigkeit im Orden bemerken, wenn ihre Rüstung nicht golden sei. „Verzeiht mir nun. Ich bin sehr lange marschiert und die Müdigkeit zerrt an meinen Lidern.“
      „Selbstverständlich. Verzeiht mir“, nickt die Kriegerin und schließt sich ihrer Truppe an.
      Diana betritt eines der Zelte in denen sie nächtigen darf, um sich vor dem frostigen Wind zu schützen. Und schon sehr bald hat die Dunkelheit ihr das Bewusstsein genommen.




      von EwaLabak

      Der würzige Duft von ausgebranntem Holz und kaltem Schnee liegt in der Luft als Leona aufwacht. Sie ist, wie so oft, die Erste. Leise arbeitet sie sich aus dem Zelt und belächelt den Anblick des Lagers. Die gesammelten angeschwärzten Äste die zuvor als Spieße dienten, der leere Kochtopf den Spradel nachher wieder tragen wird und sich mit möglichen neuen Rezepten von der Last des Metalls abzulenken versucht und die geordneten Schilde und Speere, die perfekt in das Muster passen, im Chaos möglichst schnell angelegt werden zu können um im Notfall binnen 2 Minuten eine gänzlich ausgerüstete Verteidigungslinie zu bilden.
      Leona verlässt das Camp und wandert etwas abseits. In der Ferne erblickt sie die hohen Berge des Targon und den immensen Turm der Solari. Bald wird die Sonne aufgehen. Leona liebt den Anblick. Es gibt ihr immer wieder Hoffnung, dass etwas für sie vorgesehen ist. Etwas, das Pantheon irgendwann anerkennen und ehren wird. Sie ist dieses ständige Gekämpfe und der Gier nach Stärke und Dominanz leid. Welchem Zweck solle es denn nützen? Die Rakkor mischen sich nicht in die Angelegenheiten der nördlichen Fraktionen ein, noch gibt es oft Kämpfe mit anderen Stämmen. Sie trainieren sich eine elitäre Disziplin und einen herausragenden Kampfstil an, ohne ihn je gegen etwas anderes anwenden zu müssen, ausser gegen sich selbst. Zwei Krieger bekämpfen sich um den Platz des Höheren der Beiden einzunehmen oder zu verteidigen. Verliert der Höhergestellte, sinkt sein Ruhm und er nimmt den vorigen Platz des Siegers ein, während der Sieger nun an seiner Stelle steht. So entsteht ein ständiges Auf und Ab, ein immerwährendes Konkurrenzdenken untereinander um den perfekten Krieger an der Spitze des Stammes zu haben. Aus nichts anderem scheint der Inhalt der Rakkor zu bestehen. Leona findet es ermüdend, denn sie will weder an der Spitze, noch am Abgrund stehen. Sie will einfach nur überleben und das Gefühl haben, dass das, was sie tut, einen Sinn ergibt.
      „Ihr seid erwacht.“
      Leona wendet sich der Stimme zu. Die Fremde sitzt auf dem Boden eines größeren Felsvorsprungs und scheint halbwegs zu meditieren.
      „Ich wache gern früh auf um die Sonne zu begrüßen. Sie ist wie ein freundlicher Nachbar geworden“, schmunzelt Leona und errötet, als sie merkt, wie lächerlich ihre Worte für einen beliebigen Wanderer wirken könnten.
      Diana macht es durch ihr Schweigen nicht unbedingt angenehmer. Unbeholfen blickt Leona umher und bemerkt, dass Spradel die Nachtwache übernommen hat und im verborgenem die Umgebung ausspäht. So muss Leona es nicht tun und sie kann sich neben die Fremde setzen.
      „Eure Rüstung. Seid Ihr Noxianerin?“
      „Wäre ich es, würden wir solche Unterhaltungen nicht führen“, entgegnet Diana kühl und schließt die Augen.
      Leona nagt an ihrer Unterlippe. Alles was sie sagt scheint falsch zu sein. In Gedanken geht sie die Regionen des Südens durch und versucht sie mit der schwarzen Rüstung zu kombinieren.
      „Wusstet Ihr, dass die Solari jeden Morgen die Sonne ebenfalls begrüßen? So, wie wir es gerade tun?“
      „Ja“, antwortet Diana knapp und zerschneidet erneut das Band einer weiterführenden Konversation.
      Leona nickt verstehend und blickt der aufgehenden Sonne entgegen. Diese glühende Helligkeit strahlt über den Berg und um den Turm der Solari herum. Die Wärme erfüllt Leona bis in ihr tiefstes Inneres, vertreibt jede Kälte in ihrem Körper um es durch ein angenehmes Wohlbefinden zu ersetzen. Ein Gefühl reinster Entspannung und Erleichterung. Genüsslich schließt sie die Augen.
      „Ich würde alles dafür tun um eines Tages eine Solari zu sein“, entfährt es ihr mit einem Hauch von sanftmütiger Sehnsucht. „Es muss wundervoll sein, der Sonne so nahe zu stehen und von ihr geliebt zu werden.“
      Diana schweigt und Leona dankt ihr dafür.

      Zwei Stunden später finden sich beide in der Patrouille auf dem Weg nachhause wieder. In vierer Reihen marschieren sie. Leona trägt freiwillig drei der Zelte und das restliche zusammengerollte Pökelfleisch im Bündel. Die Fremde schaut sich ständig um, womöglich in der Hoffnung doch noch ihre gewünschte Pflanze zu finden. Doch Leona ist pessimistisch. Sie lebt seit ihrer Existenz unter den Rakkor und hat noch niemals in dieser Gegend etwas gesehen, das wie eine Blume aussah. Hier gibt es nur Steine, Moose, Wild und blätterlose Bäume.

      In der Siedlung angekommen verteilt sich der Trupp und jeder geht seinen Weg. Leona weist Diana ein auf sie zu warten. Dann marschiert sie mit einigen Anderen zum großen Versorgungszelt, wo sie sich der Zelte und der Rationen entledigt. Anschließend versammelt sich die Kolonne auf dem Übungsplatz, wo Pantheon bereits auf sie wartet und jeden Einzelnen mit stummen Blicken straft. Leona bemerkt, dass sich der größte Teil des Rakkor Stammes zusammengefunden hat und die Kolonne wissbegierig und gespannt beobachtet. Auch die Stammesanführer sind zugegen. Jemand wird sicher befördert! Leona freut sich und überlegt, mit welchen Worten sie demjenigen gratulieren könnte.
      „Die Zeit für den Ritus des Kor ist gekommen. Zwei von euch niederen Maden haben es geschafft, sich einen Namen zu machen, bei dessen Nennung sich nicht einmal mehr die Schneeziegen zu belachen trauen. Es liegt noch ein weiter Weg bis zu einem wahrhaftigen Krieger. Doch wie das Kind zu Laufen lernt, haben sie nun ihre Kindheiten abgelegt“, verkündet Pantheon.
      Zwei Rekruten treten heran um eine bedeckte Platte neben den Ausbilder zu stellen. Pantheon zieht den Leinenstoff weg und tritt einen Schritt zurück, um der Kolonne keinen Blick auf das darunter befindliche Objekt zu verwehren. Es ist ein großer Rundschild, wie es alle Rakkor Krieger tragen. Rötliches Orange im Kern, die Flamme mit der die Krieger in den Kampf gehen, zusammengehalten von den silbernen Tugenden, die diese Flamme zähmen, kontrollieren und in Extremsituationen sogar löschen.
      „Wie es der Ritus des Kor verlangt, wird nur ein Schüler die Ehre erlangen, dieses Schild führen zu dürfen. Der Geist des Opfers - seines Gegner – wird in ihn übergehen und wie ein Partner zur Seite stehen. Komme was wolle. Bis zum bitteren Ende seiner eigenen Herrschaft über Körper und Geist. “
      Leona empfindet die Rede als eines der Schwächeren, die Pantheon je apellierte. Sie tippt darauf, dass er keine andere Möglichkeit hat und vom Rat gezwungen wurde, zwei Schüler aufsteigen zu lassen. Oder es liegt womöglich daran, dass sie den Ritus des Kor zu Ehren des Gastes durchführen. Leona vermag es nicht, Diana zu entdecken. Vielleicht ist sie auch schon gegangen. Sie kann die Fremde nicht einschätzen. Das machte sie seit dem Kennenlernen nervös.
      „~und Leona!“
      „Was?!“
      In Gedanken versunken gönnte sie sich eine Auszeit, die ihr nun teuer zu stehen kommt. Zweifelnd blickt sie umher. Alle Augen ihrer Truppe richten sich auf sie.
      „Na los, Kleines“, flüstert die Kommandantin der Kolonne und schenkt Leona ein vermeintlich aufmunterndes Lächeln.
      „Nein! Ich will nicht! Ich bin nicht bereit“, verteidigt sich Leona.
      Doch einmal erwählt gibt es kein zurück. Aus Respekt vor dem Ritus drängt man sie aus der Reihe und versperrt ihr den Weg. Rhythmisch beginnen die Soldaten Rakkors ihre Schilde und Speere auf den Boden zu schlagen. Ihr primitiver Sing Sang von „Hu!“ und „Ha!“ klingen aus tausend Mündern unheimlich und furchterregend. Leona hatte einmal davon geträumt und ist kreischend aufgewacht.
      „Ich werde nicht kämpfen! Ich bin noch nicht bereit!“
      „Du wirst kämpfen, du jämmerliche Made!“, schimpft Pantheon und gibt ein Zeichen an den Trommler, der daraufhin den schweren bronzenen Gong ertönen lässt.
      Der Sing Sang der Rakkor fährt fort. Leona fühlt sich verraten und hintergangen. Ihre Kampfkunst ist weit davon entfernt um als perfekt durchzugehen, der Speer ist ihr schon immer eine Waffe gewesen, die ihr gänzlich zuwider war. Sie kennt die Formationen, sie kann Heerscharen zurückdrängen, doch ausserhalb der Formation kommt sie sich unnützer vor als eine Fackel in den Wolken. Sie will das nicht. Unter keinen Umständen! Sie atmet tief durch und wirft Schild und Speer nieder.
      „Ich werde nicht kämpfen! Ich werde nicht töten um etwas zu erreichen, wofür ich noch nicht einmal bereit bin!“
      Mit dem Aufklingen des fallenden Schilds erstummt auch der Sing Sang. Sie spürt, wie die enttäuschenden Blicke ihrer Kolonne ihren Körper durchbohren und die Reue in den Herzen ihrer Unterstützer. Die Nervosität brennt in ihrem Herzen und zersticht es mit tausenden von kleinen Dolchen. Ihr wird schlecht. Der Blick wird dunkel.
      „So werdet Ihr Euch verweigern und die Konsequenz erdulden?“, fragt Pantheon mit unversöhnlicher Miene.
      Leona schweigt. Der Druck auf sie wird unerträglich. Die Scham, die Pein und der Zorn fallen wie Steinlawinen über ihr hinab. Die Knie werden weich. Leona lässt sich geschlagen fallen.
      Pantheon blickt über die Schulter. Die Ältesten des Stammes sind sich einig. Der andere auserwählte Schüler will auf Leona zu marschieren, doch Pantheon schlägt ihm den Speer gegen die Brust um ihn aufzuhalten.
      „Sie ist mein Fehler, Würstling!“
      Die stumpfen Schritte von Pantheons Stiefeln und das Metall seines Schutzes klingen wie Scherben in Leonas Ohren. Der Tod der langsam näher rückt. Hat sie die richtige Entscheidung getroffen? Hätte sie kämpfen sollen? Hätte sie flüchten sollen? Nein. Niemals. Loyalität ist das höchste Gut eines Menschen. Einen Standpunkt besitzen und sich ihm zu verschreiben, ihn zu hüten und zu verteidigen, selbst wenn man sich selbst wegen ihm verwunden muss. Leona hat sich entschieden und wird die Strafe dafür akzeptieren.
      „Du enttäuschst mich. Mich und deine Familie“, raunt Pantheon als er mit dem Speer neben ihr steht. „Du wärst die Beste von uns geworden. Doch du musstest unbedingt an deinem Standpunkt festhalten.“
      „Ein Krieger sollte seine Künste nutzen um die Schwachen zu verteidigen. Nicht um sie zu töten“, flüstert Leona mit gehauchter Stimme, sodass Pantheon sie nur mit Mühe verstehen kann.
      „Und du siehst, wohin dich deine Torheit gebracht hat, Schwester..“

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      von Alex Chow

      Diana beobachtete den Ritus nur mit mäßigem Interesse. Sie hat schon viele Kämpfe der Rakkor gesehen und auch dieser schien zu Beginn kein Besonderer zu werden. Dankbar ließ sie sich einen Schlauch Wasser geben und stieg auf einen Vorsprung, mit dem sie ihre Umgebung auskundschaften konnte.
      Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis sie die Feuerblüte zurückgebracht haben muss und noch immer gab es nicht die leiseste Idee, wo sie diese finden soll. Alles was sie weiß ist, dass die Blüten orange leuchten und umgeben sind von warmer, gräserner Erde inmitten einer schneehaften Landschaft.
      Leonas Stimme erklingt. Sie verweigert sich dem Ritus von Kor. Eine interessante, für Diana jedoch keine überraschende Wende. Das Mädchen besitzt kein Kriegerherz. Sie ist nicht imstande zu tun, was manchmal notwendig ist. Streng genommen ist jeder Krieger, der gerne redet, kein wahrhaftiger Krieger. Vielleicht zieht Diana deshalb so oft das Schweigen vor.
      Ein Rakkor hebt seinen Speer um es Leona in den Nacken zu drücken. Doch er zögert. Diana hebt eine Augenbraue und springt von ihrem Vorsprung herunter um das Spektakel aus der Nähe zu betrachten. Ein Zögern hat sie unter den Rakkor bislang noch nie erlebt. Sind sie etwa weich geworden? Nein, der Mann sticht zu.
      Plötzlich wird es strahlend hell auf dem Platz. Alle müssen ihre Augen bedecken, wenn nicht sogar sich gänzlich abwenden. Hitze breitet sich aus. Diana schwitzt. Die Rüstung beginnt auf ihrer Haut zu schmerzen. Das Fleisch darunter scheint zu kochen. Schmerzende Schreie gellen durch die Luft ehe sie von einer Explosion verstummen und jeder um Diana herum weggeschleudert wird.
      Still und konzentriert wartet sie einfach ab bis sich das goldene Licht gelegt hat. Dann erkennt sie, was vor sich geht. Leona kniet auf dem Boden und leuchtet in goldener Pracht. Sie ist ummantelt von einer sonnenhaften Blase. Ihr Vollstrecker ist nicht zu sehen. Lediglich ein verbranntes Stück Holz scheint von ihm übrig geblieben. Sie kann nicht glauben wovon sie Zeuge wurde.
      Die Rakkor haben augenscheinlich das Bewusstsein verloren. Einzig Diana und Leona scheinen unversehrt. Vorsichtig tritt Diana an dieses kniende und wimmernde Wunderkind heran und bestaunt die Herrlichkeit ihres Zaubers.
      „Wie.. wie habt Ihr..?“, stottert Diana wirr und muss ihre Konzentration sammeln, damit sie klare Worte herausbringt.
      „Wa.. was...?“, zögerlich blickt Leona auf. Ihre Augen leuchten im goldenen Glanz der Sonne als wäre sie selbst die menschliche Form davon. Diana schreckt zurück. So etwas wahnhaftes hat sie noch nie zuvor gesehen, geschweige denn davon gehört! „Was ist passiert?“
      Diana konzentriert ihren Blick auf das Wesen, das sich Leona nennt. Sich umzuschauen würde sie ebenfalls dazu bringen, eine Bestandsaufnahme ihrer Umgebung zu machen, was sie möglicherweise verrückt machen würde. Diana wusste selbst nicht, was geschehen ist, oder ob die Rakkor ausgelöscht oder einfach nur ohnmächtig wurden. Binnen Sekunden wägt Diana alle Möglichkeiten ab die sie besitzt.
      „Eine eigenartige Magie hat Euch beschützt und Eure Stammesmitglieder bezahlen lassen, für das, was sie Euch antun wollten“, improvisiert Diana so kühl, als hätte sie es bereits einige Male erlebt. Etwas, das Leona ihr zu glauben scheint.
      „Sie sind.. fort?“, Leona versucht aufzustehen. „Wo ist Pantheon?“
      Diana lenkt den Blick des Sonnenkindes auf den verbrannten Stock der einmal ein prächtiger Speer gewesen ist.

      Eine Stunde später befindet sich Diana auf dem Rückweg. Das Rokkaner Mädchen hatte zu Anfangs versucht, ihre Trauer unter Kontrolle zu halten. Doch nachdem sie mit Diana die Siedlung verlassen hat, sind ihre Emotionen rücksichtslos über ihr eingebrochen. Es scheint, als habe sie Jahre von Trauer auf einmal zu verarbeiten. Diana ließ sie trauern und dachte selbst über die Erklärung ihrer frühzeitigen Rückkehr nach. Ist ihr Fund in den Augen ihrer Meister denn wertvoller als eine einzelne Feuerblüte? Und werden sie ihr überhaupt Glauben schenken?
      „Wo gehen wir hin?“, will Leona wissen um sich abzulenken.
      „Nachhause.“
      „Nachhause? Nach Noxus?“
      „Ich bin eine Solari, Kind.“
      Leona bleibt stehen. Diana ignoriert es zuerst, kommt jedoch einige Schritte später selbst zum Stillstand um nachzuschauen.
      „Solari tragen keine schwarze Rüstung! Ihr seid eine manipulative Noxianerin und habt meinen Stamm mit Eurer Magie getötet!“
      „Seid nicht dumm, Kind“, seufzt Diana und wendet sich wieder ihrem Weg zu.
      „Bleibt stehen! Wie soll ich Euch glauben?“
      Diana knirscht mit den Zähnen. Jetzt wird ihr klar, weshalb sie am Ritus teilnehmen sollte. Ihr kindliches Verhalten, zwischen Naivität und Sturheit hin und her pendelnd, raubt selbst einer Solari den Nerv.
      „Seht Ihr den Turm dort in den Bergen?“ Diana deutet auf den Turm der Solari, zwischen dem sie nur noch ein paar hundert Stufen trennen. „Wenn ich keine wäre, würden sie mich nicht einlassen.“
      „Vielleicht wartet an der nächsten Ecke ein Hinterhalt!“
      Dieses Mädchen...
      „Wenn dem so ist, würdet Ihr uns einfach vernichten wie Ihr es~“, Diana schluckt. Dann lässt sie ihren Satz einfach im Raum stehen und geht weiter. Leona wird ihr folgen müssen. Der einzige Weg, den sie gehen könnte, ist jener, diesen herauszufinden. Die Rakkor sind Geschichte. Wo sollte sie sonst hingehen?
      Am Ende der steinigen Treppe der Weisheit angekommen, nickt Diana den beiden Walküren am Eingang des Turms zu. Daraufhin öffnen sie das Tor und bemerken, dass noch jemand den Fuß der Treppe erreicht hat. Leona. Diana muss sich ein gewinnendes Grinsen verkneifen.
      „Rasch!“, grummelt sie und tritt gemeinsam mit Leona ein.

      „Meister, wenn ich es Euch doch sage~“
      „Schweigt, Diana!“, keift Meister Zaruarc und zerschneidet ihren Satz mit scharfer Handgeste. „Euch wurde aufgetragen eine Feuerblüte zu mir zu bringen. Doch alles was ich erhalte ist eine verhöhnende Geschichte über das Licht! Würdet Ihr den Tag nicht mit Hirngespinsten verbringen, würdet Ihr wissen, dass keine Prophezeihung je von einem Kind der Sonne berichtet!“
      Diana kniet noch immer demütig und schließt die Augen. Solche Taraden ist sie bereits gewohnt. Die Vorwürfe, der Hohn, die indirekten Beleidigungen. Meister Zaruarc jedoch gehört zu denen, die sich noch zurückhalten.
      „Diana, mein Kind... Mein sonnengeliebtes Kind. Ich bitte Euch. Ich flehe Euch an solche Fantasien zu unterlassen. Die Sonne würde niemals einen Stamm der Rakkor vernichten, nur weil sie ihre Traditionen wahren.“
      Manchmal kommt es Diana so vor, als habe die Sonne die Solari geblendet. Hören sie sich überhaupt selbst zu?
      „Meister. Ich habe sie mitgebracht. Ihr könnt euch ein eigenes Bild machen“, verspricht Diana. „Wenn Ihr Euch nicht mit ihr belasten wollt, so werde ich sie in die Lehre nehmen.“

      Die Absage ihres Meisters war voraus zu ahnen. Wie konnte Diana sich einbilden, dass die Solari das größte Geschenk der Sonne erkennen, wenn es direkt vor ihnen steht? Sich blindem Frust hinzugeben, liegt ihr jedoch nicht. Sie zieht es vor, Dinge zu hinterfragen, zu ergründen und Potenzial zu erkennen. Bei Leona ist sie nachlässig gewesen. Doch wer hätte ahnen können, dass ausgerechnet eine Rakkor von der Sonne erkoren wird, ihre Vertreterin zu sein? Weshalb nicht ein Solari? Einer der Ältesten? Warum jemand, der bislang absolut nichts von den Anhängern der Sonne aufgesogen hat? War der strahlende Stern den Solari womöglich boshaft oder skeptisch gegenüber gestellt? Fühlt er sich betrogen? Schämt er sich für ihre Anhänger?
      Diana beschließt das Archiv, tief in den Bergen und am Boden des Turms, aufzusuchen.
      Die Bibliothek ist nichts anderes als ein großes, staubiges Kellergewölbe, voll gestellt mit antiken Bücherregalen aus Stein und kleinen Tischen mit kleinen Stühlen. Allesamt nicht für die Größe eines Menschen geschaffen.
      Diana überlegt oft, ob die Yordle womöglich ihren Ursprung in den Bergen haben, bevor sie aus irgendwelchen Gründen an der Oberfläche sesshaft wurden. Entgegen ihrer Erwartung wird sie immer enttäuscht, wenn sie die Archive besucht. Jedes Mal wenn ihre Neugier sie hier herunter führt, geht sie davon aus, dass andere Gelehrte sich für die Vergangenheit interessieren und sich mit den Mythen und Geschichten Valorans, die nichts mit den Solari zu tun haben, beschäftigen. Beispielsweise die mysteriöse Seuche in Icathia, der Fluch der einst so tropischen Shurima Wüste oder dem violetten Schleier, der eines Tages die Schatteninsel von Valoran abschnitt und in die Meere schwimmen ließ.
      Diana durchsucht die Regale nach willkürlichen Buchtiteln. Sämtliche Schriften über die Solari wurden vor Urzeiten in eine etwas dekorativere Bibliothek in den oberen Stockwerken gebracht. Die anderen Texte hatte sie nur grob überflogen. Schließlich ging auch sie davon aus, eines Tages aufzusteigen und dieses verborgene Wissen nicht mehr zu benötigen. Ein naiver und ignoranter Gedanke, wie sie nun feststellen muss. Irgendwo wird sie doch sicherlich etwas finden, das dieses Phänomen um Leona erklären könnte. Sie greift nach einem Buch und schlägt eine willkürliche Seite auf.

      'Wer thrüge seine erste Last, niemals zu versthehen er vermag meine letzte Sehnsucht, sprach mirs Zwerchfell einst mit der trüben Stimme eines leeren Seins. Hoch schauthen wir alle als der Dämon kam in seinem wehenden Kleid aus Federn schwarzer Rabendecken. Mit dem schwerthenen Arm hoch oben und dem Körper gen Erde gesenkt. Mit den Flammen in seinen Augen und dem Groll in seiner Stimme kannte er nur das Kämpfen nicht. Nehmen wars das sein Herz düngte und haben, das wollt' er nicht. Selbst das Listhen und Trügen war ihm müsig. Nur des Lebenssaftes wegen begann er zu fliegen um uns zu stürzen.'

      Diana erinnert sich, dieses Buch schon einmal gelesen zu haben. Der Autor vermischt Tagebucheinträge mit dem Erleben von alten Mythen. Oft schreibt er über einen sagenumwobenen schwarzen Engel, der in jeder größeren Schlacht ebenso plötzlich auftaucht und wieder verschwindet. Er hinterlässt eine Schneise der Zerstörung, unterscheidet dabei weder Freund von Feind, noch beabsichtigt er irgendein Ziel.
      Diana blättert weiter. Sie erinnert sich, dass er irgendwo einmal über die Solari schrieb.

      'Das Auge sprach: Wo hell es wird, dort mag auch immer Schatten sein. Ob gold, ob silbern, ob rot, ob orange. Das Helle wird immer das Dunkel bringen und niemals mögen sie verhandeln, denn das Dunkel zögert nicht und muss nicht genährt werden. Auf tauben Füßen musst du gehen, durch stilles Gewässer im gedüngten Morgenland um Sohle und Knöchel und Blut und Fleisch zu schonen. Als es unter Hellen ruchbar wurde, kannten sie selbst Namen nicht. Die Augen standen offen, doch ich sah die Blindheit in ihrem Apfel, denn sie zogen dem Glauben ihrem Wissen vor. Satt getrunken haben sie sich an dem Speichel ihrer Väter und Mütter und verkannten ihre eigene Zunge ob der Verworrenheit. Kreuzen müsste man sie können, dann sähen sie die schüchterne Wahrheit auf Stelzen gehen. Offen in der Sonne nicken sie und beknicken sich um Lächeln und gut Gemüt zu schwängern. Doch nur nackt kann man Vertrauen erwecken, das vermag selbst der schönste Schuh im Bilde nicht. Nur ein Fuß wird dir wahrlich sagen, wie dir der Boden steht auf dem du gehst. Lügen sollst du säen um dir selbst den Morgen schön zu malen, denn der Spiegel ist dein ärgster Feind und du wirst dich sehnen nach Dunkelheit und Schatten, die dir deiner Hässlichkeiten Decken bieten. Und du wirst lachend folgen, denn nur dann kannst du die Fäulnis deiner Zähne Pflege nennen.
      Wer das Leben zu leben behauptet, der muss auch seine Augen kennen. So kennst du schwarz und weiß und grau und bunt. Doch nutzlos ist ein Auge, das niemals Dunkelheit sieht. Nur gereinigt kannst du sehen, was wahrlich vorhanden ist. Nur was einst verbrannt ist, weiß um die Schmerzen des Feuers und kann dir Leben schmackhaft machen. Denn was dein Geschmack zu sagen liebt, werden Nase, Zunge, Auge und Ohr dir immer ihre Lüge erzählen, die uneins ist, mit dem Geflüster ihrer Geschwister.'

      Schweigend schließt Diana das Buch. Solche Texte kann man leichtfertig als ketzerisch bezeichnen, was verwundert, weshalb sie noch existieren. Die Solari gelten als friedlich, doch greift man sie an oder stellt ihren Glauben in Frage, so wird man von einem Hammer begrüßt, dessen Male noch Jahre an einer Stirn zu finden sind. Nur eine Mutter würde ihr Kind so intensiv umarmen und vor sämtlichen Übel schützen.
      Je mehr Diana darüber nachzudenken versucht, desto seltsamer wird das Gefühl in ihrem Magen. Ihre Situation wird immer diffiziler.

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      Sehr gut geschrieben und fortgesetzt.

      Allerdings ist mir wieder was aufgefallen:

      Diana, mein Kind... Mein Sonnen geliebtes Kind.
      müsste glaube ich "sonnengeliebtes" heißen.
      (Mitte 3. Abschnittes)

      Das wars glaube ich soweit^^
      (Hoffe es geht weiter so :D)
      FAQ bzw. nützliche Threads
      Falls noch Fragen offen sind, einfach an mich wenden.

      Es gibt keine blöden Fragen,
      Nur blöde Antworten.



      Seit Stunden sitzt Leona schon auf einem weichen Bett aus Stoffmatratze und steinernem Rahmen. Das Zimmer ist groß und geräumig. Der weiße Marmor ist so glatt geschliffen, dass selbst Wasser daran abperlen müsste. Das Beistelltischchen und die kleine Bank mit den zusammengefaltete Mänteln wirken teuer und aufwendig verarbeitet. Leona hat von solcher Penibilität schon einmal gehört, aber niemals gedacht, dass sie es selbst zu Gesicht bekommen würde. Die hochwertigen Objekte lassen Leona so klein und mickrig erscheinen.
      Sie beugt sich nach vorn, stützt sich auf die Knie und starrt ihr Schild an, das sie auf dem Boden abgelegt hat. Was ist eigentlich passiert? Es können unmöglich alle Rakkor gestorben sein. Diana muss gewitzelt und einen absurden Humor besitzen. Aber Solari würden niemals witzeln und schon gar nicht über so etwas. Leona beisst sich nachdenklich auf die Unterlippe. Irgendetwas ist seltsam geworden. Sie weiß, dass sie geschockt sein, wütend, verzweifelt oder ein anderes pathetisches Gefühl besitzen müsste. Doch stattdessen fühlt sie ein erschreckendes katatonisches Nichts. Es ist ihr nicht egal was passiert ist. Aber sich darauf zu fokussieren, um Antworten zu erhalten, kann sie nicht. Ihre konfusen Gedanken ziehen sie zur Sonne - zur Gegenwart.
      „Verzeiht mir, dass Ihr so lange warten musstet.“
      Leona blickt auf und sieht einen älteren Mann in weißem Gewand mit goldenen Verzierungen den Raum betreten. Mit einem entschuldigenden Lächeln tritt er an sie heran, die Hände geduldig zusammen gefaltet. Sein schmales Gesicht wirkt jung, doch die ausgeprägten Stirnfalten erzählen die Wahrheit über sein Alter.
      „Mein Name ist Meister Zaruarc. Ich diene den Solari als Alchemist und Heilkundiger“, erklärt er mit weicher Stimme und macht eine einladende Geste zur Tür. Schweigend steht Leona auf und folgt der Bitte.
      Während der Mann redet, bestaunt die Rakkor die prunkvollen Gänge des Turms. Sie fragt sich, wie teuer er gewesen sein muss und wie viele Arbeiter nötig waren um ihn in welchem Zeitraum zu errichten. Die weißen Säulen sind am Fuß mit goldenem Rahmen verziert, ebenso wie die Tische die mit exotischen Blumen dekoriert sind. Nichts innerhalb des Turms wirkt zweckdienlich sondern eher einschüchternd und herabsetzend.
      „Unsere Rekrutin berichtete über ein fantasievolles Geschehnis vor kurzer Zeit. Ich hoffte, Ihr könntet mir Euer Erlebnis schildern, werte Leona der Rakkor.“
      Leona blinzelt sich aus den Gedanken und blickt den Meister einen Moment lang verwirrt an.
      „Ich weiß selbst nicht was passiert ist, Sir“, erklärt sie wahrheitsgemäß und spürt, dass etwas in ihr es gar nicht wissen will.
      „Woran könnt Ihr Euch denn noch erinnern, mein Kind?“
      Der Meister führt sie zu einem großflächigem Balkon. Einer der vielen runden Plattformen des Turms. Leona läuft zum goldenen Geländer und legt ihre Hand darauf. In dieser Höhe müsste der Wind pfeifen und an der Kleidung reissen. Die Luft wird in der Höhe immer dünner, weshalb jede Bewegung anstrengender ist als es Talbewohner gewöhnt sind. Doch Leona spürte nichts von diesen physikalischen Regeln.
      „Ich wurde auserwählt für den Ritus des Kor. Ich habe mich geweigert“, sie dreht sich zu Zaruarc. „Ich sollte exekutiert werden und als mein Ausbilder seinen Speer hob, gab es eine riesige Explosion.“

      Zaruarc nickt verstehend, doch am Ende versteht er nichts.
      Er hat sich mit den anderen Ältesten getroffen als es passiert war. Eine Explosion im Westen und plötzlich schien es, als stünde ganz Valoran im goldenen Licht der Sonne. Als wäre der Stern dem Kontinent so nahe gewesen wie nie zuvor. Jeder war aufgeschreckt und rannte zu den Plattformen um zu sehen was passiert war. Doch niemand konnte etwas erkennen. Die Sonne zeigte sich, sie tat etwas und kein Solari wurde davon Zeuge. Lediglich Diana, das Problemkind seit ihrer Geburt, behauptete, zu wissen, was passiert war. Dass dieses junge Mädchen von der Sonne auserwählt wurde, dass es zum Sonnenkind aufstieg und den Kuss der Sonne auf der Stirn spürte.
      Zaruarc liebt Diana. Sie ist schon immer wie eine Tochter für ihn gewesen. Es war immer sehr schmerzhaft gewesen, wenn sie ihn durch ihre Fehlbemühungen enttäuschte. Ihr Ehrgeiz ist ohne Zweifel makellos, ihr störrischer Charakter und der Wissensdurst machen sie zu einer starken Persönlichkeit. Doch man wird nur von den Solari erhoben, wenn man von der Sonne wahrhaftig berührt wird. Etwas, das Diana niemals geschafft hat. Etwas, das Zaruarc verzweifeln lässt, denn nach seiner Auffassung wäre Diana eine erstklassige Walküre. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie es nicht ist und es womöglich auch niemals schaffen wird. Dass jene, die von der Sonne stets missachtet wird, nun ausgerechnet jene ist, die Zeuge der Geburt eines unbekannten Sonnengeschenks ist, was die Geschichte der Solari fundamental verändern würde, ist hochgradig verdächtig. Es bedurfte Diana keine Lüge um Aufmerksamkeit zu erlangen.
      „Es gab eine Explosion?“
      „Ja“, erwiedert Leona nachdenklich. „Zuerst hatte ich Angst. Ich war verdammt zu sterben. Dann überkam mich eine angenehme Wärme die sich in mir aufstaute und plötzlich implodierte sie und war verschwunden.“
      „Habt Ihr das Licht gesehen, mein Kind?“
      „Nein. Aber meine Augen..“
      „Was ist mit Euren Augen?“
      „Ich sehe.. anders“, flüstert Leona leise und unsicher.
      „Anders?“
      „Ja... Ich weiß, das klingt wohl vollkommen absurd“, schmunzelt Leona.
      „Sprecht. Erklärt es mir.“
      „Was ich sehe.. ist schärfer geworden. Aber zugleich sind die Farben anders. Ich blicke auf den Schnee und sehe einen blauen Schimmer darin. Ich sehe meine Rüstung, doch wo sie zuvor orange war ist sie nun braun.“
      Zaruarc versucht sich nicht anmerken zu lassen, dass er ihr kein Wort glaubt. So eine Veränderung gab es auf guten Seiten noch nie. Er erinnert sich an einen ehemaligen Solari, der ebenfalls behauptet hat, er würde seine Umgebung anders wahrnehmen als je zuvor. Er sähe Lichter in Personen in unterschiedlichen Farben, doch die meissten waren violett. Eines Tages tötete er zwei Walküren und flüchtete nach Icathia und wurde nie wieder gesehen.
      „Gibt es weitere Dinge die anders sind?“
      Leona schweigt.
      „Mein Kind, Ihr müsst mir helfen. Erst dann kann ich Euch helfen.“
      „Der Himmel ist schwarz, doch die Vögel leuchten ein wenig. Ich kann sie dennoch unterscheiden. Es ist schwierig zu erklären, Sir. Sie leuchten, wie Ihr leuchtet. Schwach, aber deutlich“, dringt es Leona zögerlich aus dem Mund.
      „Erklärt Euch.. mein Kind.“
      Zaruarc spürt, wie sich eine Schlinge um seinen Hals zieht. Der Verrat dieser Kreatur einst liegt viele Jahrzehnte zurück und die Solari versuchten alles, damit es nicht nach aussen dringt. Leona kann davon nichts wissen um daraus einen schlechten Scherz zu machen.
      „Ich sehe die Menschen hier, wie sie sind. Wie ich sie vorher gesehen habe. Aber ich kann zusätzlich ihr Herz sehen. Es ist durchsichtig und wie von einer Farbe gezeichnet. Als würde ich die Seele sehen.. Das muss vollkommen irrsinnig klingen“, schmunzelt Leona
      „Das tut es nicht, Kind.“ Der Groschen ist gefallen. „Das tut es nicht.“




      von Ayu-Ai

      Gegen den Schneesturm kämpfend drückt sich Diana durch die einzelnen Flocken. Unter ihrem Arm hat sie ein Buch gekrallt und versucht es vor dem wildgewordenen Wind zu schützen.
      Ihre Recherchen haben sich bezahlt gemacht. Sie fand ein Buch über die Sonne und den Mond. Zwei Geschwister, die zur falschen Zeit geboren und von ihren Schützlingen verraten und ermordet wurden. Die Sonne – die Feuerkreatur – schaffte es, laut Legende, ob ihrer Wärme weit mehr Anhänger zu finden als der Mond – eine Eiskreatur, die es vermochte, Elemente zu reflektieren. Sie überlebte in der Schwärze der Leere, da sie nicht auffiel. Erst als die Sonne geboren wurde, leuchtete auch sie. Doch das Licht, das die Eiskreatur schenkte, war ein kühles, weißbläuliches Licht. Beide vertraten die gleichen Ansichten, doch der Mond war nicht so geduldig und gönnerhaft wie seine Schwester. Er kämpfte aktiv und blendete die Kreaturen der Dunkelheit ehe er sie verschlang. Als die Sonne verraten wurde und zum Himmel hinauffuhr, vermochte sie es nicht ihre Macht zu kontrollieren und verbrannte das Land wo auch immer sie hin sah. Dabei zerstörte sie auch die Eiskreatur. Doch die Kreatur, zu sehr von den Kreaturen der Leere genährt, zwang die Leere zu einer Einigung. Wenn die Sonne weiter existiert, würde es keine Leere und kein Leben auf Valoran geben können. Die Meere würden austrocknen und in all seiner Gier würde die Sonne den Planeten zu einem größeren Ich verwandeln. Die Leere würde weiter existieren, wenn sie der Eiskreatur dazu verhilft, wie die Sonne, zu einem Stern zu werden. Nur gemeinsam wäre man stark genug, das lichtertägliche Leben vor der vollkommenen Vernichtung zu bewahren. Die Leere erklärte sich einverstanden und formte seine Mutation zu einem weißbläulichen Stern am anderen Ende des Planeten, um dort jenen Schaden wieder gut zu machen, den die Sonne angerichtet hatte. Und nach einiger Zeit verstanden die Geschwister ihre individuellen Mächte, lernten zu kooperieren um ihren innigsten Wunsch erfüllen zu können. Leben zu schützen und Leben zu schenken. Dies wäre mit der Existenz von nur einem der beiden niemals möglich, denn nur noch die Leere bringe die reine Vernichtung mit sich. Diana versteht, dass beide, Sonne wie Mond, gleich mächtig und nur in Koexistenz ihre wahre Größe entfalten können. Alles was noch nötig war, wäre einen Beweis zu bringen. Denn Texten allein haben nur die Väter und Mütter der Solari noch Glauben geschenkt. Sie hinterfragten kritische Beschönigungen
      Erschöpft zieht Diana ihre Füße aus dem kniehohen Schnee und sucht Schutz hinter einer Felsformation. Mit zitternden Lippen zieht sie einen Streifen Trockenfleisch aus ihrem Bündel. Doch ihre Finger sind zu taub um es kräftig genug zu packen und so verschwindet es mitsamt der umher fliegenden Schneeflocken. Seufzend lehnt sich Diana gegen einen Stein und klappt ihr Buch auf. Irgendwo stand etwas von einem Ort des Mondes. Diesen Ort wollte sie aufsuchen, doch es soll nicht wieder so ein Reinfall werden wie jener mit den Feuerblüten.

      'Ich sah die Herzen voller Eifer frieren, denn wer warm im Körper sei wird unachtsam. Also folgte ich dem Flüstern der Argumente die mit Klauen nach meinem Geiste schlugen um zu finden, wonach der Schwache sich nur still zu dürsten traut.'

      Diana schließt unzufrieden das Buch. Die Kälte schießt durch ihren Körper und zieht stichelnde Schmerzen durch ihre Knochen und Muskeln. Kleine Eiszapfen bilden sich bereits auf ihrer schwarzen Rüstung. Sie wird~. Ein Leuchten. Ein schwaches Glimmen in der Ferne. Besser als nichts denkt sich Diana und hofft auf ein Lager in dem sie Wärme tanken kann. Ein sicheres Zelt und ein baldiges Lagerfeuer nach dem Sturm.
      Quälend ziehen sich ihre Stiefel durch den Schnee, die ihn freiräumt wie eine Raupe. Dadurch stürzen einige Schneepartikel in ihre Stiefel, machen ihre ungeschützte Haut darunter nass und frostig. Doch eine andere Möglichkeit sieht Diana nicht mehr.
      Dem Ziel immer näher kommend und sich selbst antreibend kämpft sie sich durch das grausame Unwetter bis sie sich direkt vor dem glimmenden Licht wieder findet. Ein seltsames, schwebendes Etwas. So etwas hatte Diana einmal zuvor in Ionia gesehen. Irrlichter nennt man sie. Eine genaue Erklärung um ihre Existenz und Bedeutung konnte die Hohepriesterin ihr nicht geben. Manche glauben, dass es sich um verlorene Seelen handelt, die eines einsamen Todes erlagen und Wanderer die Richtung weisen. Dabei ist es unmöglich vorherzusagen, ob es sich um gute oder böse Seelen handelt, die den Wanderer zu retten oder zu Unheil beabsichtigen. Andere glauben, dass es sich um Naturgeister handelt, die eher unbedeutend für Andere ihr eigenes Leben leben.
      Erstaunt von der wundervollen Pracht des Lichtes versucht Diana es zu berühren. Ihren Fuß nach vorne verlagernd um die Reichweite ihres Arms zu erweitern, spürt sie ein seltsames Nachgeben des Bodens. Ihr Fuß beginnt zu zittern, die Wade verkrampft als sie langsam absinkt. Eine falsche Bewegung. Sie bricht durch. Sie fällt. Panisch wirft sie reflexartig die Hände nach oben, verzweifelt irgendetwas zu ergreifen das sie oben halten könnte. Doch der Schnee ist zu weich, ihre Hände zu kalt, die gebrochenen Steinkanten zu spitz. Nicht der drohende Tod schießt Diana durch die Gedankenwelt. Sondern die Faszination, dass ihr gesamtes Gewicht auf den ersten beiden Fingersegmenten lastet, welche gnadenlos durch das hin und her pendeln abgedrückt werden. Sie starrt hinab ins Dunkel, fragt sich, wie tief der Fall wäre. Der Pessimismus flüstert ihr Unendlichkeit ins Ohr, was ihre verkrampften Finger bestärkt beständig zu bleiben. Doch der Schnee ist kalt. Zu kalt. Er brennt auf ihrer Haut und kratzt wie eine Klinge ihre Knochen entlang. Sie beisst auf die Zähne und versucht sich hochzuziehen. Das sorgt jedoch dafür, dass sie noch mehr pendelt, noch schwerer wird. Das Irrlicht ist aus dem Loch zu sehen, das sie zu beobachten scheint. Einen Moment fühlt Diana eine unheimliche Wärme in ihrer Brust. Dann bricht auch die Kante weg und sie fällt hinab in das schwarze Nichts. Entgegen ihrer Erwartungen dauert der Fall nicht lange. Kerzengerade knallt sie auf dem Boden auf. Da sie sich mit ihren Füßen ungeschickt abzufedern versucht, schlägt ihr Kinn auf dem metallenen Schutz ihrer Schienbeine auf und ihr Kopf wird ruckartig zurück auf den harten Boden geworfen.
      Ihr ist schwummrig. Die Welt dreht sich. Übelkeit macht sich breit. Ein rostiger Geschmack verteilt sich in ihrem Mund. Mit tauber Zunge erforscht sie den Zustand ihrer Zähne. Unversehrt. Nein, etwas Spitzes schwimmt in ihren Mund. Ein Eckzahn. Mit dröhnendem Schädel dreht sie ihren Kopf zur Seite und spuckt ihn mitsamt des warmen Blutes aus. Ihr Kiefer knackt als sie ihn bewegt. Ihre Finger und Hände nimmt sie als Fremdkörper wahr. Ein unheimliches Gefühl, sie bewegen zu wollen, sie aber nur sehen und nicht spüren zu können.
      Eine ganze Weile bleibt Diana auf dem steinigen Boden liegen und schließt die Augen um ihre Muskeln zu entspannen. Wo auch immer sie gelandet ist – es ist wärmer als der peitschende Wind an der Oberfläche. Das Geräusch ihres erschrockenen Atems, der hin und her zu wandern scheint, lässt darauf schließen, dass sie in einer unterirdischen Höhle gelandet sein muss. Kein anderes Geräusch vermag sie wahrzunehmen, entsprechend muss sie für den Moment sicher genug sein um sich erholen zu können.
      Kaum 10 Minuten sind vergangen. Diana öffnet die Augen. Sie befindet sich, wie angenommen, in einer Höhle. Einer unterirdischen Kammer um genau zu sein. Das entstandene Loch bietet ausreichend Licht um sich umsehen zu können. Seltsame Malereien befinden sich an den Wänden. Sie erzählen von flüchtenden Kreaturen vor einem geschlossenen Kreis in dem sich eine schwarze Sichel befindet. Diana sieht darin den Mond, der sich vor die Sonne gedrängt hat. Eine seltsame Kreatur mit nur einem Auge ist abgebildet. Es schaut einfach nur zu. Und wieder der geflügelte Engel mit Flammenschwert. Doch was diese beiden Monströsitäten zu bedeuten haben, vermag Diana nicht zu entschlüsseln.
      Langsam kämpft sie sich auf die Beine. Die schwere Rüstung macht Mühe.
      „Komm...“
      Das leises Flüstern einer männlichen Stimme. Geisterhaft und gehaucht.
      „Komm...“
      Diana lauscht, obgleich sie auch misstrauisch ihr Schwert aus der Schneide zieht. Mit leisen Schritten folgt sie der Herkunft der Stimme und unterweist mit jedem Schritt ihrer Umgebung einer neuen gründlichen Inspizierung. Von dieser Höhle hatte sie noch nie etwas gehört. Alles mögliche kann sich hier unten verstecken.
      „Komm...“
      Sie spürt, wie das Flüstern eiskalt durch ihren Körper dringt.
      „Komm...“
      Ihr Herzschlag beschleunigt sich und knallt trommelnd gegen ihren Brustkorb.
      „Komm...“
      Ihre Zähne beginnen vor Schauer zu schmerzen. Ihre Knie werden schwach.
      „Komm...“
      Diana wird nervös und sammelt ihre Kräfte für einen einzigen Todesstoß, sollte es sich um eine Falle handeln. Sie hofft so sehr, dass es sich um eine Falle handelt.
      „Komm...“
      An einer Abzweigung sucht sie Schutz hinter einer Wand. Das Schwert in ihrer Rechten, den Blick nach links geneigt. Der unterirdische Korridor verläuft weiter bis tief in die Schwärze. Doch aus dem Raum neben ihr dringt ein kühles blaues Licht.
      „Komm...“
      Diana setzt alles auf eine Karte. Die Stimme dringt in ihren Kopf und verführt sie zu unüberlegten Handlungen. Sie gibt ihre Deckung auf, springt in den Raum, aus dem die Stimme kommt, und sucht sofort ihr Ziel. Doch niemand ist da. Nur ein blau leuchtendes Symbol. Der Mond. Und darunter befindet sich eine lange halbgeöffnete, fast schon vermoderte Holzkiste. Zögerlich tritt Diana heran.
      „Komm...“
      Sie hebt den Deckel an und blickt hinein. Die Kiste ist leer. Verärgert schließt sie die Kiste wieder und senkt die Augenbrauen. Hat sie etwas übersehen? Ausser der Kiste und dem Symbol an der Wand gibt es nichts mehr in diesem Raum.
      „Zeig dich, Geist“, fordert Diana mit einer Mischung aus Genervtheit und Zorn. Und nachdem sie das sagte, merkt sie, dass sie im Grunde verzweifelt ist.
      „Komm...“
      Die Stimme lenkt die Aufmerksamkeit der Solari auf eine Wand. Diese drückt sich ein und schiebt sich zur Seite. Ein Weg wird offenbart. Diana lächelt schief und folgt diesem Pfad.

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      So. Heute ist Neumond und zufällig auch totale Sonnenfinsternis. Zumindest, wenn man irgendwo zwischen Island und dem anderen Europa, also mitten im Meer, wohnt. Symbolik? Schicksal? Ich weiß es nicht. Zumindest ist es der geeignete Zeitpunkt um die Story zu beenden. Ich hoffe, es hat euch genauso Spaß gemacht wie mir. Leider kann ich mich nicht bei allen Lesern bedanken, da sich nur wenige als solche geoutet haben. Aber ich weiß es zu schätzen und fahre baldmöglichst mit der Kluft Der Legenden fort. Oder mit einer neuen Zwischenidee, die mich davon ablenken könnte. Ich mag Twisted Fate.. und es gibt noch so viele andere interessanten Storys und Champs.. Mh. Naja, mal abwarten. Bis dahin.. Danke und auf Bälde *mit zwei fingern salutier*



      von DaveWhitlam


      Die fünf Ältesten der Solari haben sich versammelt. In einem großen Halbkreis sitzen sie in ihren Sesseln. Zaruarc hatte berichtet, was Leona ihm erzählte. Die anderen Ältesten reagierten empört und zornig.
      „Dieses Geschenk ist ein Fluch der Leere!“, keift einer.
      „So etwas darf nie wieder geschehen! Kassadin hat uns verraten! Leona wird es ihm gleich tun!“, ruft ein anderer.
      „Vielleicht haben wir ihm einfach nicht genug Gehör geschenkt?“, fragt ein Ältester vorsichtig.
      Zaruarc erinnert sich sehr gut an Kassadin. Ein aufstrebender Adept der Solari. Höchst neugierig und wissensdurstig. Er verbrachte Jahre im Kellergewölbe des Turms und irgendwann ignorierte er die Missionen seiner Meister um auf eigene Faust seine Theorien auszurecherchieren. Seine Reise führte ihn nach Icathia. Als er zurückkam und die Ältesten mit seinem angeblich erworbenem Wissen überzeugen wollte, schien er völlig von Sinnen zu sein. Er sprach von einem Portal und dass die Sonne nur ein Teil des Ganzen sei. Die Ältesten verbannten ihn für diese Ketzerei. Zaruarc befürchtet, dass Leona das gleiche Schicksal teilen müsste. Wenn nicht sogar Schlimmeres.
      „Der Mann war völlig wahnsinnig!“, hält jemand dagegen.
      „Nur einmal angenommen, sie wäre tatsächlich ein Kind der Sonne. Das auserwählts Sonnenkind..“, beginnt Zaruarc doch sogleich wird er unterbrochen.
      „Das ist absolut unmöglich! Wie könnte die Sonne jemals einen Nicht-Solari bevorzugen? Wir sind es, die an sie glauben und ihr die Größe verleihen!“
      „Was werden wir nun tun?“, will Zaruarc wissen.
      „Diese Rakkor hat nach Aussagen von dieser Diana ihren Stamm vernichtet. Das Gleiche Schicksal könnte auch uns blühen. Wir müssen Präventivmaßnahmen einleiten!“
      „Ihr wollt sie hinrichten?!“ Zaruarc spürt langsam, wie in ihm der Zorn aufwallt. Es muss eine andere Möglichkeit geben. Vielleicht kann man Leonas angebliche Fähigkeiten auch für das Gute nutzen.
      „Wenn wir sie gehen lassen, wird sie Chaos und Zerstörung mit sich bringen, Meister Zaruarc. Jeder der Macht besitzt versucht sie zu missbrauchen.“
      „So wie Ihr?“, kontert Zaruarc und ballt die Faust.
      „Haltet Ihr es für notwendig, Euch daran zu erinnern, wie Ihr einst einem verblendeten Adepten Diskretion versprochen habt?“
      Schweigen tritt sich breit. Zarurac beisst zornig die Zähne zusammen und starrt auf das goldene rundbehornte Ende seiner Armlehne.
      „Stimmen wir darüber ab. Wer ist dafür, dass diese Ketzerin hingerichtet wird?“
      „Dafür!“
      „Dafür!“
      „Dafür!“
      „Dagegen!“, ruft Zaruarc.
      „Dagegen!“
      Einer der Ältesten lehnt sich zurück und legt die Hände auf seinem Bauch zusammen.
      „Dann ist es entschieden.“, sagt er und winkt eine Walküre herbei. „Ruft nach Leona der Rakkor Kriegerin.“
      Die Walküre nickt und marschiert los. Zaruarc kann es immernoch nicht fassen. Auch wenn er selbst Furcht vor Leona empfindet, so spürte er keinen Hass in ihr als er mit ihr sprach.
      „Ich hoffe, Ihr versteht die Notwendigkeit, Meister Zaruarc. Diese Frau birgt ein Risiko. Man behauptet, die Sonne würde sie uns vorziehen. Wie sähe es aus, wenn man glaubt, die Sonne hätte uns den Rücken gekehrt?“
      „Das wäre höchst peinlich.“
      Die Ältesten widmen sich der neuen Stimme und ihre Atemwege beginnen zu stocken.
      „Diana?!“
      „Ganz recht“, reagiert sie mit kokettem Lächeln als ihre Stiefel tockend über den glatten Boden wandern.
      Zaruarc kann seinen Augen nicht trauen. Welch Wahnsinn muss sie übernommen haben? Ihre schwarze Solari Rüstung hatte sie abgelegt und ist mit einer alten Rüstung der vergangenen Lunaren zurückgekehrt. Zu allem Spotte noch trägt sie die traditionelle sichelartige Klinge des Kults und es leuchtet das Symbol dieser Ketzer auf ihrer Stirn. Ihre Lippen sind geschwärzt, auch um ihre Augen trägt sie die Bemalung der Lunari.
      „Was in Solaris Namen bildet Ihr Euch ein, die Solari derartig bloßzustellen?!“
      Diana wirft einen prüfenden Blick zu den Walküren, die zu ihren Flanken Wache stehen und ehrfürchtig die Hände an den Waffen haben.
      „Werte Ältesten, ich habe nie vorgehabt Euch bloßzustellen. Ich komme, um Euren Horizont zu erweitern“, erklärt Diana. Zaruarc hört dennoch ihre Apathie und eine immense, unerklärliche Selbstsicherheit heraus. Es ist ihr egal, ob man ihr Gehör schenkt oder nicht.
      „Ihr seid eine Drahtzieherin! Ihr bringt einen Dämon zu uns und verwandelt Euch selbst in einen“, flucht einer der Ältesten.
      „Keineswegs. Ich wurde lediglich erleuchtet mit Wissen und Wahrheit. Ich werde nicht mehr blind folgen. Die Sonne ist nicht die einzige Macht auf Erden. Sie ist Teil eines großen Ganzen“, Diana lächelt knapp, dann geht sie in die Knie. Sie respektiert die Solari dennoch. „Ich opferte meinen Körper um Euch davon zu überzeugen. Es gibt drei elementare Mächte auf der Welt. Die Sonne ist nur eine davon. Und ich bin der Beweis.“
      „Ihr seid eine Verräterin!“
      „Nein“, widerspricht sie kühl. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Obrigkeit der Solari nichts anderes als ein Bund ignoranter, alter Männer die sich vor Veränderungen fürchten. Nicht, weil diese Veränderungen sie zu fehlgeleiteten Propheten machen. Sondern, weil sie fürchten, sich diesen Veränderungen nicht ausreichend fügen zu können um ihre Macht zu behalten. Ich brachte Euch das Sonnenkind. Ein Mädchen, das von der Sonne persönlich als ihre Vertreterin auf diesem Planeten auserwählt wurde. Sie bildet die Spitze der Solari. Sie ist der Beweis für das, woran die Solari glauben. Und indem Ihr sie abweist, zeigt es nur, wie wurzellos die Obrigkeit in Wirklichkeit ist. Versteht mich nicht falsch. Ich will nicht an euren Stühlen sägen. Ich will Euch die Möglichkeit geben, Euch anzupassen, ohne Eure individuelle Reputation zu verlieren. Der Mond, den Ihr zu verfluchen versucht, war schon immer ein Teil Eurer Dekoration. Ich bin und bleibe eine Solari.“
      „Ihr brachtet uns eine verfluchte Zauberin die unsere Reputation in seiner vollen Gänze vernichten sollte! Und nun seid Ihr selbst zur Verräterin geworden um uns ins Gesicht zu spucken!“
      „Ihr seid eine ketzerische Lunari! Wir haben Euren Orden schon einmal ausgerottet!“
      Zaruarc ist überfordert. Ihm entgleisen sämtliche Gesichtszüge als er diese Bomben vor sich explodieren sieht. Diana hat es geschafft, ihre Bestimmung zu entdecken. Sie wurde vom Monde persönlich erwählt, so wie Leona von der Sonne erwählt wurde. Die Geschichte ist wahr. So etwas IST möglich. Beide Kreaturen richten sich nicht nach Orden, noch halten sie sich an irdische Regeln. Diana hat mit ihrem Erscheinen, mit ihrer Verwandlung und mit der Präsentation Leonas bewiesen, dass die Solari sich bis auf die Fundamente hinab falsch entwickelt haben.
      „Glaubt nicht, dass mich Eure Worte verletzen, Älteste der Solari. Ich suche seit meiner Geburt nach dem Kuss der Sonne. Doch wie ich sehe, wurde nicht ein Einzelner von euch mit ihren Lippen belohnt. Stattdessen wurdet ihr geblendet. Und in Eurer Blindheit habt Ihr einen gesamten Orden mit einem falschen Glauben verseucht“, Diana steht auf und dreht den Ältesten den Rücken zu. „Ich brachte Euch das Sonnenkind. Was gedenkt Ihr mit ihr zu tun?“
      „Wir werden sie hinrichten! Genauso wie wir Euch hinrichten lassen werden, Ketzerin“, schimpft jemand. „Wachen! Ergreift sie im Namen der Sonne!“




      von Joakin100


      Diana schließt für einen Moment die Augen. Zurückzukehren um dem Orden die Augen zu öffnen war ein Fehler. Es ist schlimmer als das. Es ist Zeitverschwendung gewesen. Wie konnte sie glauben, dass sich die Ältesten von ihrem Irrpfad abwenden würden? Wie konnte sie glauben, dass sie sich der Wahrheit zuwenden und bereit sind, sich selbst für eine größere Sache zu verletzen? Kein Wunder, dass die Sonne niemanden aus dem Orden jemals zu irgendetwas erwählt hat. Sie schämt sich für ihre Anhänger. Und nun wollen diese fehlgeleiteten Alten über sie richten, über sie bestimmen und ihr Leben ein Ende setzen. Einfach nur aus dem Grund, dass sie Recht hat. Was sollte sie nun tun? Flüchten und den Orden, so wie er jetzt ist, weiter bestehen lassen? Eine Fabrik voller geblendeter Mönche weiter produzieren lassen?
      Zu spät. Die beiden Walküren greifen sie an. Sina und Eleonore. Sie sind ihre Freundinnen gewesen. Und selbst jetzt, wo Diana ihnen wahrhaftige Beweise für die früher geglaubten Mythen lieferte, zogen sie die Lügen ihrer Ältesten vor. Verrat... Diana und all die anderen Solari wurden verraten. Und das Schlimmste von allen ist, wenn die Verratenen, obwohl sie wissen, dass sie verraten wurden, immernoch zu ihren Schändern halten. Sina schlägt mit dem Schwert zu. Diana weicht zur Seite aus und versenkt ihre sichelförmige Klinge in den Rippen ihrer Angreiferin. Eleonore greift zunächst an, doch Diana tänzelt an ihr vorbei, schlägt ihre Klinge nach hinten. Eleonore ist in der Waffe gefangen. Einen Ruck später, bohrt sich die Spitze der Sichel in den Bauch der blonden Frau. Mit dem Gesicht zur Tür lächelt Diana schwach, dann wendet sie sich den Ältesten zu.
      „Ich kam um Euch zu helfen. Als ich friedlich gehen wollte, versuchtet Ihr mich zu ermorden. Ist das der Weg Eurer Sonne?“
      Die Ältesten erheben sich aus ihren Sitzen. Bis auf Zaruarc versammeln alle ihre Kräfte zu einem Feuerball in ihren Händen. Diana wartet ab. Sie spürt im Angesicht des Todes eine angenehme Ruhe. Es ist, als könnte kommen was wolle - sie würde sich nicht fürchten. Geduldig dreht sie das Sichelschwert in ihrer Hand. Dann geht es los. Die Ältesten bewerfen sie mit explosiven Feuerbällen. Diana weicht einem nach dem anderen aus und hört nur das Zerbrechen von Stein und Tiefe. Mit der Sichel schlägt sie nach den Ältesten. Eine silberne Spur zieht sich im Halbkreis vor sie, unter die Füße von Vieren. Erschrocken schauen die Alten nach unten. Kälte überkommt sie. Diana schlägt die Klinge auf den Boden, woraufhin alle Ältesten wie durch ein Vakuum zu ihr gezogen werden. Und noch in der Luft auf die Lunari zufliegend schlägt Diana und halbiert ihre kümmerlichen Körper mit einem einzelnen Hieb. Blut spritzt auf ihre Stiefel und Diana blickt auf. Zaruarc steht unversehrt da und weiß nicht, was er tun soll. Sie marschiert auf ihn zu.
      „Ich habe dich immer verteidigt, Diana. Ich habe es deinen Eltern geschworen. Und ich habe niemals einer Exekution zugestimmt“, flüstert Zaruarc mit einer bösen Vorahnung.
      „Das ist wahr...“, stimmt Diana mit senkender Stimme zu bis es nur noch einem Flüstern gleicht. Dann beugt sie sich mit leuchtenden Augen zu ihm nieder, den Mund nahe an seinem Ohr, „...doch du hast es auch nie verhindert.“
      Der Körper des Alten sackt kraftlos in sich zusammen, nachdem Diana mit ihm fertig ist. Tief atmet sie durch und überblickt die Säuberung. Die Körperhälften der Ältesten liegen im Raum verteilt, die Wände sind an einigen Stellen aufgebrochen und züngelnde Flammen kämpfen um ihr Überleben. Doch was soll sie nun tun? Welche Lebensaufgabe hat sie jetzt? Sie wollte immer eine Solari werden und ist nun etwas ganz Anderes.
      „Was ist hier passiert?!“
      Leona und Amanda sind in den Raum gehetzt und starren geschockt umher. Diana beachtet sie nicht und will an ihnen vorbei.
      „Diana?!“ Leona packt Diana am Handgelenk, aber sie schüttelt sich frei.
      „Ihr habt sie ermordet...“, stellt Amanda entgeistert fest. „Warum habt Ihr...?!“
      „Räumt das Chaos auf und werft einen Blick in die Schriften im Keller“, befiehlt Diana halbherzig und verschwindet.
      Sie hört Leona weinen und irgendjemanden schreien. Amanda schlägt Alarm, doch nichts.. absolut nichts, was sich Diana in den Weg stellt, würde sie aufhalten können. Schon gar nicht ein Solari.




      Ende

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      Wow. Wow. Einfach nur genial, die Story. Ich würde gerne analytisch kritisieren, aber das gelingt mir meist nicht so gut. Die Geschichte ist meiner Meinung nach besser, als viele Bestseller (,die sogar echt gut waren). Man kann sagen, was man will, aber das kannst du verdammt gut.
      Im Allgemeinen fand ich die Geschichte sehr spannend. Ein Grund dafür war, dass man sicht gut in Diana, Leona und Zaruarc hineinversetzen konnte.
      Zudem war deine Wortwahl äußerst vortrefflich. Also alles in allem eine perfekte Kurzgeschichte.
      Btw passt wirklich echt gut, dass du das Finale heute veröffentlicht hast. :D
      Wirklich eine super tolle Geschichte. Ich hab schon zwischen den Teilen nichts geschrieben...weil mir einfach nichts einfällt #sprachlos in der Hoffnung dass mir zum Schluss etwas einfällt. Aber nein...natürlich nicht. Verflucht sei meine Kreativität.
      Ich hoffe demnächst liest man noch weiter Kurzgeschichten/FF's und dass es mit der anderen FF bald weiter geht :D

      LG Bernd ;'D